US-Tageszeitung erscheint nach 146 Jahren nur noch online
8. April 2009

Am 17. März 2009 erschien die letzte gedruckte Ausgabe der amerikanischen Tageszeitung ”Seattle Post-Intelligencer“. Nachdem eine 60-Tages-Frist verstrichen ist, in welcher die Hearst Corporation, seit 1921 Besitzer des Blattes, vergeblich einen Käufer gesucht hatte, erscheint “the P-I” künftig ausschließlich online, laut Hearst die größte US-Tageszeitung, welches dieses Schicksal erlitt. (Quelle: golem.de)
Dieser Schritt ist notwendig geworden, nachdem der Erlös aus der Zeitung in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. So ist die Auflage von 1998 bis 2008 um ca. 40% zurückgegangen. Damit verbunden war ein Rückgang in den Anzeigenerlösen. Ähnlich Umstände führten auch in Denver dazu, daß die “Rocky Mountain News” im Februar eingestellt wurde.
Der Grund für die Krise ist die abnehmende Bedeutung der Tageszeitungen. Wandten sich früher die Leser immer mehr dem Fernsehen zu, um aktuelle Nachrichten zu erfahren, so wurde in letzter Zeit das Internet zu einer immer größeren Konkurrenz, was dazu führte, dass sich im Jahr 2008 erstmals mehr Amerikaner online als über Printmedien informierten. Ebenso verloren Zeitschriften, Radiosender und lokale Fernsehprogramme Nutzer, während im Zuge des Wahljahres 2008 neben dem Internet die großen Fernsehsender Zuschauer gewinnen konnten.
Eine Folge der immer geringeren Leserschaft ist ein Rückgang der Erlöse aus Werbung und Kleinanzeigen, auch weil das Internet sich hier ebenfalls als Konkurrent erweist. Heutzutage können die bisherigen Zeitungskunden Waren per Ebay verkaufen oder auf Monster Stellenanzeigen durchsuchen. Ein Blick auf den britischen Zeitungsmarkt zeigt, dass vor allem Regionalblätter von dieser Entwicklung betroffen sind. So sind die entsprechenden Anzeigenerlöse bei den Zeitungen der Daily-Mail-Gruppe seit Januar um 40% zurückgegangen. Als Folge davon will das Unternehmen rund 1000 Stellen im Regionalzeitungsgeschäft abbauen.
In Deutschland ist die Gesamtauflage der Tageszeitungen in den letzten 10 Jahren um ca. 20% zurückgegangen, was auf ähnliche Folgen für den Anzeigenmarkt hindeutet.
Die Bewegung von den Tageszeitungen zum Internet hat mehrere Folgen. Zum einen müssen sich die Verlage darauf einstellen und ihren Platz im Netz finden, wobei sie mit Konkurrenz in Form von Blogs und speziellen Webseiten zurechtkommen müssen. Zum anderen sollten Kunden, die bisher die Zeitung als Medium benutzt haben, die Möglichkeiten des Netzes in Erwägung ziehen und darüber nachdenken, in Zukunft z.B. mehr Werbung im Internet zu platzieren.
Zum Schluß soll noch erwähnt werden, dass es zwar durch das Internet möglich ist, mehr Informationen zu verbreiten. Es besteht jedoch das Problem, diese Informationen dauerhaft zu speichern. Gerade moderne Speichermedien erweisen sich als zu dem Zweck wenig geeignet, da sie eine relativ geringe Lebensdauer aufweisen. Für die Zukunft besteht somit die Aufgabe, Wege zu finden, die bereits jetzt große Menge an Daten sicher zu archivieren.






